Diese Seite würde viel besser aussehen in einem Browser, der aktuelle Web Standards unterstützt, obwohl der Inhalt von jedem Browser oder Internet-Lesegerät dargestellt werden kann. Um sich über aktuelle Browser zu informieren, klicken Sie hier.

krino. Philosophische Gesellschaft Bern

11.10.2018

Dr. Andreas Cassee (Institut für Philosophie, Universität Bern)

Prof. Dr. Reinhard Merkel (Seminar für Rechtsphilosophie, Universität Hamburg)

Gibt es ein Menschenrecht auf Migration?

Eine kontroverse Diskussion

Andreas Cassee argumentiert für ein Recht auf globale Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit: „Die Verfügungshoheit über den eigenen Aufenthaltsort ist eine zentrale Dimension der individuellen Selbstbestimmung. Bei der innerstaatlichen Mobilität ist das weithin anerkannt: Die Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit innerhalb eines Landes ist ein verbrieftes Menschenrecht. Aus demselben Grund sollten wir ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit anerkennen. Darüber hinaus tragen Einwanderungsbeschränkungen wesentlich zur Zementierung einer ungerechten Verteilung ökonomischer Aussichten bei, und ihre Durchsetzung geht mit einem Mass an Gewalt einher, das moralisch nicht zu rechtfertigen ist.“

Reinhard Merkel wendet sich dagegen: „In der Welt, in der wir leben, können innerer Frieden und ein rechtlicher Zustand (derzeit) allein von Staaten garantiert werden. Deshalb ist die Forderung, jeder Person ein Recht auf globale Niederlassungsfreiheit zu gewähren und staatliche Grenzen aufzuheben, politisch wie rechtlich illegitim und moralisch verfehlt. Angesichts grober ökonomischer Asymmetrien zwischen den Staaten könnten die wohlhabenden Länder bei einer Freigabe der globalen Migration nicht einmal ihre rechtsstaatlichen Funktionsbedingungen erhalten; ihre sozialstaatliche Ordnung gäben sie dem raschen Kollaps preis. Dass die massiv ungleiche Verteilung ökonomischer Ressourcen ein grobes Unrecht ist, ändert daran nichts. Die unbeschränkte Zulassung weltweiter Migration wäre als Mittel zur Abhilfe nicht nur gänzlich ungeeignet. Sie führte im Gegenteil innerstaatlich wie international zu neuem, schwerem Unrecht. Die entsprechende Forderung ist unmoralisch.“

Donnerstag 18.15 Uhr
Referat ca. 40 Min., Diskussion ca. 40 Min.
Hörsaal F-121, Unitobler, Lerchenweg 36, 3012 Bern